Schattenreich

Altar für Kanzlerin Merkel von André Gross


Merkel-Bild fristet zwischen Fledermäusen sein Dasein

In einem Bunker bei Neustrelitz ist offensichtlich der Bundeskanzlerin gehuldigt worden. Bauarbeiter stießen auf eine Art Altar.


Witzbolde oder einfach nur gestörte Personen? In dem in einen Hügel gegrabenen Schutzraum aus Wehrmachtszeiten fand sich dieses Zeugnis einer etwas anderen Politikerverehrung.
Witzbolde oder einfach nur gestörte Personen? In dem in einen Hügel gegrabenen Schutzraum aus Wehrmachtszeiten fand sich dieses Zeugnis einer etwas anderen Politikerverehrung.
Foto: André Gross (nk)
 

Neustrelitz (gr)  

„Wenn man erst einmal anfängt zu buddeln, taucht immer etwas auf.“ Klaus Reimers, Bereichsleiter Naturschutz beim Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz, bezog diesen Satz eigentlich auf die inzwischen aus der Welt geschaffene Munitionsbelastung eines Schießplatz- und Bunkergeländes bei Neustrelitz. Weitaus spektakulärer ist, dass in einem der Bunker offensichtlich von einer oder mehreren Personen Bundeskanzlerin Angela Merkel gehuldigt worden ist.

Bei Sicherungsarbeiten stießen die Bauleute auf eine Art Wandaltar. Der Schrein enthält ein aus einem Wahlplakat der CDU-Spitzenpolitikerin herausgeschnittenes Kopfbild mit der Unterschrift „Unsere Kanzlerin“. Das Foto wird von Geschosshülsen flankiert, die zu Blumenvasen umfunktioniert wurden. Schließlich finden sich primitive Halter mit Kerzenresten an der Wand.

Mann hauste im Erdloch

Wie von Holger Schütt, ökologischer Baubetreuer bei der Sicherung der zu Fledermausquartieren umfunktionierten Bunker (der Nordkurier berichtete), zu erfahren war, habe man das vorgefundene Ensemble als Zeitzeugnis nicht angerührt. Allerdings ist es jetzt hinter einer massiven Tür verschwunden und damit nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich. Lediglich die Fledermäuse können ein- und ausfliegen.

Für Schütt war es nicht das einzige Erlebnis auf dem Gelände. So sei er auch auf eine Höhle gestoßen, in die man nur kriechend gelangen konnte. Die Vermutungen, wozu sie gedient haben könnte, reichten vom Versteck für Diebesgut bis zur Behausung eines Einsiedlers. Vor einigen Jahren hatte ein Mann für Schlagzeilen gesorgt, der bei Düsterförde im Wald in einem Erdloch gehaust hatte. „Mir war das jedenfalls nicht egal, als ich durch den Gang gekrochen bin und jeden Moment gefasst sein musste, dass da einer sitzt“, erinnerte sich Holger Schütt mit einem leichten Schaudern. Zum Glück sei das Versteck leer gewesen.

 

Quelle: Nordkurier, 18.5.13