Quo Vadis, LP-Caching?

2015, das Jahr, in dem vielleicht alles anders wird

Unsere Bitte an Euch: Klärt andere Cacher auf. Tut es nicht für uns, tut es für alle Owner von Lost Places.

Wir sind die Wampenschleifer. Wir sind keine Drive-In-Cacher, keine Tradisammler, keine Statistikfreaks und keine Schönwetter-Spaziergänger! Nein! Wir sind eine Gruppe von examinierten Höhenvermessern, studierten Lochkundlern und promovierten Querdenkern!

Alles kaputt - macht ja nichts, kommt die SintflutZumindest waren wir das bisher. Und wir wollen es auch bleiben. Aber einige Entwicklungen der letzten Jahre machen uns nachdenklich. Der aktuelle Höhepunkt ist die Verwüstung des Finals von Obmann - der Lehrgang.

Warum? Weil das Finale nicht durch Zufall gefunden werden konnte. Entweder waren die Vandalen selbst Cacher - oder Cacher waren so auffällig, dass die Vandalen merken konnten, dass an dieser Stelle etwas zu holen sein musste.

Aber dieser Vorfall ist, wie gesagt, nur der aktuelle Höhepunkt. Im letzten Jahr sind wir bei unseren Wartungsrunden immer wieder auf zwei Arten von Cachern gestoßen, die uns ganz einfach sprachlos machen.

Unsere Lost Place Caches vertragen keine Cacherrudel

Da sind zum einen ganze Busladungen von Cachern. Wir fühlen uns ja durchaus ein wenig geschmeichelt, weil unsere Caches beliebt sind. Aber es sind Lost Places und keine Kirmesplätze. Wie können diese Cacher glauben, dass eine Gruppe von fünf oder mehr Cachern unbemerkt bleibt? Man muss sich doch fragen, ob sie es einfach nicht wissen (nur, was machen sie dann auf einem Lost Place?) oder ob es ihnen egal ist, dass die Location verbrennt? Wir haben einige von ihnen angesprochen, und es ist eine Mischung aus beidem. Das ist ebenso beängstigend wie frustrierend. 

Unsere Lost Place Caches eignen sich nicht für den Einstieg ins LP-Cachen

Zum anderen sind es blutige Anfänger, die “mal einen Wampenschleifer-Cache machen wollen”. Unser Motto war stets: Wampenschleifer-Caches sind dazu da, gefunden zu werden. Wer von Euch einmal mit unserer Telefonhotline gesprochen hat, weiß, dass wir wollen, dass Ihr sie findet. Wir halten nichts davon, dass Cacher nach stundenlanger Suche und Anstrengung an der letzten oder vorletzten Station scheitern, nur damit unsere Caches als besonders hart gelten. Sie sind hart. Sie sind dreckig. Aber sie sollen für jeden machbar sein.

10 Mann + Hund - welcher Teil von "kleines Team" wohl so schwer zu verstehen war?Nun aber schreiben wir das Jahr 2015, und wir fragen uns, ob dieser Anspruch noch aufrecht zu erhalten ist. Also, “für jeden machbar” zu sein. Denn auf unseren Wartungsrunden sind wir Familien mit Kinderwagen in grellbunten Klamotten begegnet. Auch hier darf man sich wohl zurecht fragen, ob diese Cacher wissen, was sie da tun? Unsere Antwort ist: Nein, sie wissen es nicht. Es ist ihnen auch offenbar völlig egal. Schlimmer noch - und das macht uns sehr, sehr nachdenklich - sie reagieren mitunter gereizt, wenn man sie darauf anspricht: “Seid Ihr die Cachepolizei oder was?!?” war noch nicht das Schlimmste, was wir uns anhören mussten. “Eure Kalender interessieren mich nicht!” oder “Ich parke, wo ich will!” auch nicht. Da fragen wir uns schon, ob “für jeden” ein Anspruch ist, den wir aufrechterhalten können - oder wollen.

Oder ob wir Logs lesen wollen wie: "Endlich konnte ich auch einmal einen Wampenschleifer-Cache kennenlernen. Das hat in der Truppe mit Cacher1, Cacher2, Cacher3, Cacherpaar4&5, Cacherteam6,7,8 und Cacher9 riesigen Spaß gemacht." (Log von Cacher10 an einem Cache, dessen Listing - wie wir dachten: unmissverständlich - sagt: "Das Gelände ist sehr überschaubar"). 

Nach ihnen die Sintflut.

Vermutlich ist es auch diese “nach mir die Sintflut”-Mentalität, die dazu führt, dass unsere Bierkassen immer im Minus sind. Das war einmal ganz anders. Stattdessen häufen sich jetzt Logs, in denen darüber gejammert wird, dass nicht auch noch alkoholfreies Bier vor Ort ist. Liebe Logger, wir machen das als Hobby. Das Bier ist unsere Hommage an Euch und Eure Logs. Aber es ist kein Selbstbedienungsladen und es ist keine Selbstverständlichkeit. Wir schleppen es über Stock und Stein, Treppen und Schächte. Für Euch. Ein wenig Anerkennung wäre da eine nette Geste. Die Bierkasse nicht zu plündern wäre eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber auch die Zeit ist wohl vorbei. 

Selfie-Stick war gestern - heute veröffentlichen wir Spoiler-Logs!

Acht Autos, mindestens acht Cacher, die zu dumm sind, einen Kalender zu bedienen - vielen Dank sagt die MäusejagdGanz zu schweigen von Logs mit Spoilerbildern. Ja, unsere Stationen sind - wenn man Euren Logs Glauben schenken darf - wohl ganz gut. Unsere Finals haben nicht umsonst eine ganze Reihe anderer Owner inspiriert. Das war auch der Zweck der Übung. Wir wollten stets Maßstäbe setzen. Aber nicht, damit wir anschließend behaupten könnten, die Besten zu sein. Denn uns interessieren Ranglisten ebensowenig wie Wettbewerbe. Sondern um andere Owner zu ermutigen, auch einmal das Verrückte, das Seltsame, das noch nie Dagewesene zu versuchen. Nur: Solche Stationen und Finals verlieren dramatisch an Reiz, wenn man schon am heimischen Computer sehen kann, worum es geht.

Nach der Sintflut das Aufräumen. Oder eben auch nicht.

Überhaupt Wartungsrunden. Vor drei Jahren noch hielt sich unser Wartungsaufwand in Grenzen. Wir legen anspruchsvolle Caches. Das heißt, dass auch immer etwas kaputtgehen kann. Sei es Elektronik, sei es eine Bastelarbeit. Fast jeder von uns kennt wohl das Gefühl kalten Grauens, wenn ein Untersuchungsgegenstand plötzlich “Knack!” oder “Knirsch!” sagt. Caches sind Projekte, und bei Projekten geht immer etwas schief. Wir reißen niemandem den Kopf ab, der im Eifer des Gefechts, aus Übermüdung oder aus schierer Begeisterung eine Station mit etwas zu viel Schwung angegangen ist. Wir reparieren sie und jammern nicht.
 
Eigentlich.
 
Aber was sollen wir machen, wenn immer häufiger Dinge zu Bruch gehen oder verschwinden, die nach unserem Ermessen nicht zu Bruch gehen oder verschwinden können? Natürlich reparieren wir sie. Aber wenn beim Wachmann Steine verschwinden, die zu gravieren viele, viele Stunden gedauert hat, dann können wir sie nicht einfach ersetzen. Oder wenn zum x-ten Mal die Schlüssel bei Manager weg sind - sollen wir dann jedes Mal neue anfertigen lassen? Leute, das kostet nicht nur Zeit, das kostet auch Geld. Geld, das uns auch deshalb fehlt, weil die Bierkassen gestohlen oder gar nicht erst befüllt werden. 

Es liegt an Euch.

Kurz: 2015 wird ein Jahr, in dem sich für uns entscheidet, ob und wie wir weitermachen wollen. Unser Anspruch ist: Wir legen bemerkenswerte Caches, die jeder finden können soll. Wir wollen diesen Anspruch nicht verringern. Denn sonst wären das keine Wampenschleifer-Caches mehr. Wir wollen keine Parkbanktradis oder Abzählmultis legen. Wir wollen auch keine D9-Rätsel vorschalten, um die Zahl der Cacher zu begrenzen. Aber uns gehen so langsam die Ideen aus, wie wir unsere Caches noch wartbar halten können. Ja, so ein Wampenschleifer-Banner ist eine tolle Sache. Aber wer noch nie auf einem Lost Place war, sollte vielleicht doch lieber kleiner anfangen. Es gibt viele leicht zugängliche Lost Places ohne misstrauische Nachbarn, die auch viel Spaß machen. Wenn wir hier alle zusammenhalten und uns ein wenig anstrengen, gelingt es uns vielleicht, die eigentliche Idee hinter dem Lost Place-Caching am Leben zu erhalten. Falls nicht, wird 2015 vielleicht wirklich das Jahr, in dem alles anders wird. Das Jahr, in dem der letzte Wampenschleifer-Cache gelegt wurde. Auf jeden Fall das letzte Jahr, in dem es Bier am Finale gab, denn wir stellen den Bierservice hiermit ein.